Aktuelles aus der Septembersitzung

Wilhelmsdorf (pmw). Verzwickte Situation in der Gemeinde: Nachdem Zweifel über die zulässige Mitwirkungsmöglichkeit wegen vermuteter Befangenheit einiger Gemeinderäte bei einer zurückliegenden Abstimmung über eine Einbeziehungssatzung vorgebracht wurden, will die Gemeinde vor einem neuen Beschluss eine Expertise des Bayerischen Gemeindetages abwarten. „Es gibt hier unterschiedliche Rechtsauffassungen“, so Erster Bürgermeister Rüdiger Probst bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates.

Es wurde deshalb beschlossen, die vorgesehene erneute Abstimmung über eine Bauvoranfrage zur Errichtung eines Unternehmensgebäudes und eines Wohnhauses solange zu vertagen, bis die Stellungnahme des Gemeindetages als kommunaler Spitzenverband hierzu vorliegt. Die vorgesehenen Grundstücke befinden sich im so genannten „Außenbereich“ in der Gartenstraße, weshalb für die Zustimmung eine Einbeziehungssatzung notwendig wäre. Bei der letzten Abstimmung war die Einleitung entsprechender Schritte hierzu mit knapper Mehrheit abgelehnt worden.

„Wilderei“ bei Ausgleichsflächen vorbeugen

Nach Aussage von Bürgermeister Probst führe die allgemeine Flächenknappheit zu gelegentlichen Konflikten zwischen Kommunen vor allem bei der Beschaffung von „Ausgleichsflächen“, die zum Beispiel beim Ausweis neuer Baugebiete nachgewiesen werden müssen. Um einer „Wilderei“ beim Handel und Aufkauf vorzubeugen, soll auf Initiative der Stadt Erlangen ein „Interkommunales Kompensationsmanagement“ ins Leben gerufen werden, welches sich um einvernehmliche Flächenvermittlung kümmern soll.

Nachbargemeinden hätten ihre Beteiligung daran bereits beschlossen, auch der Wilhelmsdorfer Gemeinderat stimmte der Mitwirkung zu. „Wir wollen mitreden und uns nicht ausgrenzen“, so Rüdiger Probst, „und wenn das Ganze nichts bringt, treten wir wieder aus“. Trotz Schaffung eines neuen Gremiums und zusätzlicher Stellen sollen sich die Kosten hierfür in Grenzen halten, vor allem dann, wenn evtl. auch die Stadt Nürnberg mitmacht, denn die Beitragshöhe richte sich nach den Einwohnerzahlen.

Künftig keine Wohnungen mehr im Gewerbegebiet

In der Vergangenheit habe es immer wieder Schwierigkeiten mit den Inhaber- oder Betriebsleiterwohnungen gegeben, die bislang im Gewerbegebiet zulässig waren, berichtete der Bürgermeister. Manche würden halt gerne neben ihrem Betrieb wohnen, beklagen sich aber dann über gelegentliche Emissionen aus anderen Unternehmen. Jetzt hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, diese künftig im Bereich des Bebauungsplanes „Brunner Wegfeld II“ nicht mehr zuzulassen. Grundzüge der Planung würden nicht berührt, „aber für die Änderung der entsprechenden Passage ist dennoch ein Bauleitplanverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit und den betroffenen Behörden erforderlich, allerdings im vereinfachten Verfahren und nur zu dem gestrichenen Passus“, erläuterte Probst. Die Verwaltung wurde vom Gemeinderat mit der Umsetzung der verfahrensnotwendigen Schritte beauftragt.

Innenentwicklung als Dauerthema

Als einen Beitrag zur Verdichtung und Innenentwicklung sah der Gemeinderat ein Vorhaben im Bereich der Erlanger Straße und des Eichenweges, wo ein Grundstück zur Bebauung vorbereitet werden soll. Der Gemeinderat stellte das Einvernehmen in Aussicht, wenn die erforderlichen Grunddienstbarkeiten für das Fahrtrecht und die weitere Erschließung erfolgten.

Um die Innenentwicklung geht es unter anderem auch bei der gemeinsamen Gemeinderatssitzung aller in der Kommunalen Allianz Aurach-Zenn vertretenen Kommunen, zu welcher Rüdiger Probst einlud. Am 1. Oktober gehe es dabei in Markt Erlbach zudem um „gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land“, wozu namhafte Referenten erwartet werden. Auftaktveranstaltung der „Aktionstage der Kommunalen Allianz“ ist bereits am 29. September ebenfalls in Markt Erlbach.

Wilhelmsdorf: Kirchweihauftakt mit Format

Wilhelmsdorf: Kirchweihauftakt mit Format
Vor 333 Jahren wurde Wilhelmsdorf durch Hugenotten, also Glaubensflüchtlinge, die aus der Gegend von Grenoble kamen, gegründet. Dieses „schnapsrunde“ Jubiläum war beim offiziellen Dämmerschoppen der Gemeinde für Bürgermeister Rüdiger Probst Anlass zu einem kleinen historischen Rückblick.
Rückblick und Historisches
Demnach gilt 1686 als Gründungsjahr der Gemeinde durch die Bonnet’sche Truppe, 122 aus Frankreich geflohenen Hugenotten. Zur 300-Jahr-Feier im Jahr 1986, dem größten Fest der Ortsgeschichte, wurden annähernd 9.000 Besucher bei den vielfältigen Veranstaltungen gezählt. „Ein Dorffest wie im Bilderbuch“, so die Heimatzeitung damals. Das Jahresprogramm vereinte die Gesichtspunkte des ernsten Gedenkens mit dem frohen Feiern.
Grüße und Dank
Probst konnte beim Dämmerschoppen wieder eine ganze Reihe von Gästen begrüßen, neben Landrat Helmut Weiß und dem Vorsitzenden der Verwaltungsgemeinschaft Hagenbüchach-Wilhelmsdorf, David Schneider, eine ganze Reihe weiterer Bürgermeisterkolleginnen und –Kollegen aus der Kommunalen Allianz. Er dankte bei dieser Gelegenheit für die gute Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden, Behörden und Ämtern, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den vielen ehrenamtlich Tätigen in den Vereinen und Verbänden, die für das gesellschaftliche Leben in der Gemeinde unentbehrlich sind. In seinen Dank schloss Probst die örtlichen und überörtlichen Hilfs- und Rettungsdienste mit ein, v.a. die örtlichen Feuerwehren.
Bericht und Fahrplan
In seinem Kurzbericht zur aktuellen Lage der Gemeinde ging Probst auf die nahezu fertig gestellte Bergstraße ein. Weitere „Baustellen“ im wörtlichen wie übertragenden Sinn seien in Arbeit: „Neue Wasser- und schnelle Internetleitungen müssen nun mal sein, wenn die Gemeinde weiterhin gut versorgt sein soll. Aber auch bei unseren Kläranlagen haben wir Handlungsbedarf, die Verlängerung der Wasserrechte in Ebersbach und bald auch Oberalbach stehen an“. Handlungsbedarf sah der Bürgermeister auch bei der Kläranlage in Wilhelmsdorf.
Weitere Themen sind demnach der Erhalt und die Schaffung von Voraussetzungen für neue Arbeitsplätze sowie für ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum. Auf seinem Fahrplan steht zudem die Vorsorge für ältere Menschen wie auch die Kinderbetreuung, wo derzeit mit einem Anbau an den Kindergarten eine zusätzliche Kita-Gruppe geschaffen werden soll.
Durch gemeinschaftlichen Einsatz habe eine deutlich verbesserte Busverbindung nach Herzogenaurach geschaffen werden können und im Bereich der Staatsstraße werde am Stadelhof eine Querungshilfe errichtet. Durchgesetzt habe sich die Gemeinde beim bereits umgesetzten dortigen Tempolimit, welches deutlich Wirkung zeige. Auch der Breitbandausbau gehe dank Förderung des Bundes und des Freistaates Bayern weiter.
Probst rief dazu auf, sich aktiv an der bevorstehenden Kommunalwahl am 15. März 2020 zu beteiligen. „Was zählt ist das Mitmachen“, so das Gemeindeoberhaupt.
Lebenswert und zukunftsfest
„Dank vorausschauender Politik der in den letzten Jahrzehnten amtierenden Bürgermeister und Gemeinderäte ist in Wilhelmsdorf viel geschehen“, so Landrat Helmut Weiß in seinem Grußwort. Die Gemeinde sei für die Zukunft gut gerüstet. Besonders lobte der Landrat das vielfältige ehrenamtliche Engagement, welches sich auch in Wilhelmsdorf zeige: „Ohne Euch wäre unsere fränkische Heimat nicht so lebens- und liebenswert, wie sie nun mal ist und von vielen Besuchern auch bewertet wird“.
Kirche und Kirchweih
Wie Probst wies auch Pfarrer Alexander Seidel darauf hin, dass die Weihe der heutigen Hugenottenkirche vor 265 Jahren der originäre Ausgangspunkt der Festlichkeiten ist. Am 18. August 1754 war die Kirche in ihrer derzeitigen Form eingeweiht worden, das Datum ist auch der Fixpunkt für die Kirchweih und der Festgottesdienst war heuer exakt am 18. August. Pfarrer Seidel ging auf die Geschichte der kirchlichen Entwicklung ein, das erste Gebäude war „nur ein kleines Kirchlein“. Wilhelmsdorf hat sich dann um die Kirche herum auch als Glaubensgemeinschaft entwickelt.
„Seid ihr noch zu retten?“, war das Motto des Festgottesdienstes am Sonntag, wo es u.a. auch darum ging, ob es der Barmherzige Samariter, der früher noch helfen konnte, es heute noch durch die oft nicht vorhandene Rettungsgasse schafft. Der Gottesdienst wurde von den Ortsburschen und -madli mitgestaltet, die anhand eines kleines Spiels erlebbar machten, was passiert, wenn alle nur noch gaffen und fotografieren statt selbst zum Barmherzigen Samariter zu werden und zusätzlich die Helfer noch behindern und beschimpfen.
So stand das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter im Mittelpunkt der viel beachteten Kirchweihpredigt von Pfarrer Seidel. Auch als die Hugenotten vor 333 Jahren am Stadelhof standen, hätten vermutlich manche gedacht, sie seien angesichts der trostlosen Lage nicht zu retten. Aber der Aufbau habe im Mittelpunkt gestanden, nicht der Untergang. Und wenn sich in diesem Sinne mehr das „Hohelied der Liebe“ von Apostel Paulus, „Glaube, Liebe, Hoffnung“, zu Herzen nähmen, würden sich viele Wege zur Rettung und zu einem sinnerfüllten Leben aufzeigen. Mit von der Partie: Der Posaunenchor von Wilhelmsdorf unter Leitung von Werner Stumptner.

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Unsere Fotos zeigen v.l.:
• Bürgermeister Rüdiger Probst, Pfarrer Alexander Seidel und Landrat Helmut Weiß.
• Die Ortsburschen überreichen Bürgermeister Probst als Geschenk „für seine stete Unterstützung“ ein gemaltes Gemeindewappen.
• Anschaulich zeigen die Ortsburschen-und –madli, wie es ist, wenn Rettungskräfte wegen Gaffern nicht zu Hilfesuchenden durchkommen.
• Auch nach dem Gottesdienst spielte der Posaunenchor noch auf, wobei das „Lied der Franken“ nicht fehlen durfte.

©pmw im August 2019

Ehrungen für kommunale Mandatsträger in Wilhelmsdorf

Seit vielen Jahren gab es keine Ehrungen mehr für kommunale Mandatsträger in Wilhelmsdorf. Deshalb gab es jetzt Nachholbedarf. Aus den Händen des Bayerischen Innenministers Joachim Hermann und im Beisein der amtierenden Bürgermeister sowie des heimischen Stimmkreisabgeordneten im Bayerischen Landtag, Hans Herold, erhielten eine ganze Reihe Wilhelmsdorfer und ein Diespecker Kollege am 26. Juli 2019 im neuen Landratsamt von Erlangen-Höchstadt entsprechende Auszeichnungen.
Zweitem Bürgermeister Peter Müller händigte Herrmann die Kommunale Verdienstmedaille in Silber aus und würdigte damit dessen mehr als 40-jähriges Wirken im Gemeinderat in unterschiedlichsten Funktionen.
Im Laufe von mindestens drei Wahlperioden, also 18 Jahren, haben sich auch andere Mitglieder des Gemeinderates um die kommunale Selbstverwaltung verdient gemacht. Kommunale Dankurkunden erhielten Klara Schneider, Norbert Kühnl, Roland Blaufelder und Werner Hubl.
„Sie alle haben mit großer Verantwortungsbereitschaft die kommunale Selbstverwaltung mit Leben erfüllt und wertvolle demokratische Basisarbeit geleistet“, lobte Herrmann die Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker. „Wenn wir uns die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung in unserem Land vergegenwärtigen, ist es umso wichtiger, dass sich jede und jeder Einzelne von uns für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung engagiert. Hier kommt der Kommunalpolitik eine herausragende Bedeutung zu, denn Demokratie hat ihre Wurzeln vor Ort“, so der Kommunal- und Verfassungsminister. Nirgendwo sonst seien die konkreten Auswirkungen von positiven wie negativen Entscheidungen so unmittelbar zu spüren wie auf kommunaler Ebene. Herrmann betonte: „Um das grundgesetzlich garantierte und auch in der Bayerischen Verfassung verankerte Selbstverwaltungsrecht mit Leben zu füllen, brauchen wir Bürgerinnen und Bürger, die sich in der Kommunalpolitik engagieren und das öffentliche Leben aktiv mitgestalten. Davon lebt Demokratie!“.


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Das Foto zeigt von links: Horst Schrödl (Diespeck), Norbert Kühnl, Roland Blaufelder, Landtagsabgeordneten Hans Herold, Peter Müller, Innenminister Joachim Herrmann, Bürgermeister Rüdiger Probst, Klara Schneider, Werner Hubl und Bürgermeister Dr. Christian von Dobschütz (Diespeck).